Almsommer-Tour (54): Feichteck & Karkopf - via Spatenau

impressionen aus samerberg

Bei unserer letztjährigen Herbstwanderung zum Feichteck (vom Erler Berg aus) sowie der diesjährigen Frühlingstour zur Hochries (von Duft aus) haben wir jeweils den „Trabanten“ zwischen den beiden bekannteren Gipfeln, den 1.496m hohen Karkopf, ausgelassen. Den Aufstieg wollen wir heute vom Spatenau-Parkplatz nahe Duft im Hochtal Samerberg aus nachholen.

 

Bei der Anfahrt durch das Inntal orientieren wir uns zunächst in Richtung Nußdorf (über die Inntalautobahn aus Kufstein oder vom Inntaldreieck kommend wählt man die Ausfahrt Brannenburg / Nußdorf). In Nußdorf folgen wir der Beschilderung nach Neubeuern / Rosenheim und biegen kurz nach dem Nußdorfer Ortsende am Weiler Breiten von der Bundesstraße nach rechts ins Erholungsgebiet Samerberg ab. Die Kreisstraße führt über Roßholzen bis nach Eßbaum, wo wir vor der kleinen Ortskapelle rechts nach Holzmann abbiegen. Der sich anschließende kurvenreiche Streckenabschnitt führt uns durch den Weiler Ried im Winkel sowie am Gasthaus Duftbräu und der nach rechts abzweigenden Auffahrt zum Waldparkplatz im Gammernwald vorbei. Wir folgen immer der Hauptstraße und erreichen kurz vor Schweinsteig den großen, kostenpflichtigen Spatenau-Wanderparkplatz. Am Parkautomaten ist eine Tagesgebühr von 3,00 EUR zu entrichten.

 

Wir starten auf 763m Seehöhe und wechseln zunächst auf die andere Straßenseite, wo halbrechts der größtenteils mit Betonplatten befestigte und nur von Berechtigten befahrene Versorgungsweg zur Doagl-Alm abzweigt. Auf dieser rund 2,5km langen (und kinderwagen-tauglichen) Route benötigt man rund 45 Minuten bis zur beliebten Einkehrstation, unserem ersten Zwischenziel. Wir entscheiden uns aber für ein links von der Almstraße ansetzendes Waldsteigerl, das etwas direkter verläuft und damit die kürzeste Zustiegsmöglichkeit zur Doagl-Alm darstellt. Es deckt sich mit der beschilderten Route zum Feichteck (2,5 Stunden Gehzeit). Auf steinigem und teils stark ausgewaschenem Untergrund führt uns der Pfad bergwärts. Bald geht er in einen bachbett- bzw. rinnenähnlichen Karrenweg über. Einige Minuten später treffen wir auf den Fahrweg, dem wir wenige Meter nach links folgen. Rechterhand setzt sich dann gleich wieder die sich in Kehren den Waldhang hinauf schlängelnde Abkürzungsstrecke fort.

Auf einer Lichtung schwenken wir schließlich in den breiten Almweg ein und folgen diesem nach rechts. Mit Blickfenster hinüber zum viergipfligen Heuberg wandern wir weiter bergauf, eine Abzweigung nach links in Richtung Moserboden ignorieren wir. An der folgenden Wegkreuzung, an der von vorne die Abstiegsroute von der Wimmer-Alm bzw. Ebersberg-Alm einmündet (über die man in 1 Stunde 45 Minuten via Seitenalm ebenfalls zum Karkopf gelangen kann), halten wir uns – weiter der Beschilderung zum Feichteck folgend – rechts. Es geht nun für einige Minuten weitgehend flach dahin. Nach einer Brücke über den Weißenbach stehen wir vor der „Einfahrt“ zur Doagl-Alm, die wir nach rund 220 Höhenmetern linkerhand liegen lassen (auf dem Heimweg kehren wir hier später ein). Den Ausblick dominiert der bewaldete Kammverlauf von der Hochries über den Karkopf bis zum Feichteck.

Nach bisher rund 30 Gehminuten leitet uns der Wegweiser zum Feichteck oberhalb der Doagl-Alm in einem Linksbogen um den Almkessel herum. Bald tauchen wir wieder in dichten Bergwald ein. Der Pfad wird schmaler, steiniger und steiler. Wir gewinnen rasch an Höhe. Etwa 1 Stunde nach dem Start erreichen wir die Jagdhütte Sachrinnstein, von der aus wir zwischen den Bäumen hindurch zu den Daffnerwaldalmen (mit Laglerhütte und Deindlalm) auf dem ostseitigen Hochplateau am Heuberg mit seinen Gipfelpunkten Kindlwand, Wasserwand, Heuberg und Kitzstein blicken können.

Hinter der Hütte geht es einige Meter links hinauf und dann rechts auf einem Forstweg weiter in Richtung Feichteck. Den linkerhand abzweigenden „Ewaldweg“ (zum Alfred-Drexel-Haus) ignorieren wir. In Kehren zieht der ehemals betonierte, inzwischen sichtlich „renaturierte“ Karrenweg hinauf zur Pölcherschneid. Auf 1.380m treten wir an einem Überstieg aus dem Wald und haben rund 30 Minuten nach der Jagdhütte Sachrinnstein freie Sicht. Unter uns liegen in einer Hangmulde die Hütten der Pölcheralm mit ihren teils von Klaubsteinmauern eingefassten Almgärten und dem zur Schneid heraufführenden Almweg. Dahinter ist der gesamte, sich oberhalb des Tiroler Trockenbachtals zwischen Predigtstuhl und Spitzstein erstreckende Bergkamm mit Klausenberg, Zinnenberg und Brandelberg einsehbar. Links von uns erkennen wir schon den nahen Karkopf.

Vor dem eigentlichen Tagesziel wenden wir uns am Sattel aber zunächst nach rechts und peilen das etwas mehr als 130 Höhenmeter über uns thronende Gipfelkreuz des Feichtecks an. Wir passieren ein Gatterl und biegen nach rund einhundert Metern vom Weg zur Feichteck-Alm nach rechts auf den Gipfelsteig ab. Dieser führt uns auf lehmigem und wurzeligem Untergrund im Wald teils steil bergauf. Wir queren Farnwiesen und erreichen schließlich nach fast 2-stündiger Gehzeit den kaum felsigen, größtenteils grasigen und offenen Gipfelaufbau.

Das Feichteck ist der westliche Ausläufer des Hochrieskamms. Auf 1.514m Seehöhe bietet sich eine weitreichende Aussicht ins ausgehende Inntal und ins Voralpenland samt Chiemgau mit Simssee und Chiemsee. Nach Nordosten hin blicken wir über den Karkopf hinweg zur 1.569m hohen und bei Gleitschirmfliegern als Startgelände beliebten Hochries (mit Hochrieshütte am Gipfel). Daneben prägen vor allem Spitzstein und Pasterkopf das Bergpanorama im Nahbereich. Leider ist die Sicht heute zu diesig für einen richtig guten Fernblick. Das südlich gelegene Kaisergebirge ist wolkenverhüllt, der Alpenhauptkamm gar nicht zu erkennen und das sich im Westen jenseits des Inns erhebende Mangfallgebirge zeichnet sich nur schemenhaft am Horizont ab.

Nach kurzer Pause unterhalb des Holzkreuzes verlassen wir den Gipfelbereich, von dem aus man in der Gegenrichtung auch zur bewirtschafteten, am sonnigen Südhang gelegenen Feichteck-Alm absteigen könnte. Uns führt heute aber die Aufstiegsroute in knapp 15 Minuten zurück in die Einsenkung zwischen Feichteck und Karkopf.

Auf dem breiten Verbindungskamm angekommen orientieren wir uns nun in Richtung des zweiten Gipfelziels. Wenige Minuten marschieren wir ostwärts auf der Höhe dahin. An einem Gatter eröffnen sich zwei Aufstiegs-Alternativen. Linkerhand quert nördlich unterhalb des Gipfelaufbaus ein befahrbarer Weg hinüber zur Scharte auf der Ostseite, von der aus ein vergleichsweise einfacher Pfad zum höchsten Punkt hinaufführt. Wir entscheiden uns jedoch für den direkten Aufstieg über den schmalen und abschüssigen Westgrat. Diese Route zweigt rechterhand ab und ermöglicht eine Überschreitung des Karkopfes. Sie ist allerdings schwarz markiert („Alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich !“) und enthält kurze, nicht gesicherte Kraxel-Passagen an schrofigen Gratabsätzen, was ihr tatsächlich einen leicht alpinen Charakter verleiht. Mit Konzentration und Einsatz der Hände sollten die felsigen Schlüsselstellen aber auch für Wanderer beherrschbar sein, die über ein Mindestmaß an Kletterfertigkeit verfügen. Gegebenenfalls hält man sich leicht links entlang des Baumbewuchses. Bei Nässe – insbesondere im Abstieg - wäre in jedem Fall die Umgehungsvariante zu empfehlen.

Über mehrere Felsstufen kraxeln wir dem Gipfel entgegen, rechterhand fällt der Hang senkrecht in Richtung Almboden ab. Rund 20 Minuten nach der Weggabelung haben wir das steilste Stück hinter uns. Linkerhand bietet ein Panoramafelsen einen herrlichen Rundumblick. Der nur noch wenige Meter entfernte unmittelbare Gipfelbereich um das Karkopf-Kreuz selbst ist eher eingewachsen und unscheinbar. Bäume verstellen dort einen Großteil der Aussicht. Anders als auf den beiden Nachbarbergen ist man auf dem 1.496m hohen Karkopf häufig einsam. Nach etwa 2 Stunden 45 Minuten Aufstiegszeit bzw. insgesamt knapp 900 Höhenmetern (inklusive Feichteck-Abstecher) genießen wir die Ruhe inmitten der Blaubeersträucher, die das vergleichsweise weitläufige Plateau bedecken.

Nach der Gipfelrast überschreiten wir den Karkopf in östlicher Richtung. Wir blicken auf die Hochries samt Seitenalm vor uns, auf die rechts unter uns liegende Karalm und die im Talschluss des Trockenbachtals erkennbare Unterwiesen-Alm. Am Horizont ragt die markante Kampenwand in den Himmel, die von hier aus wie ein spitzer Felszacken wirkt. Die bayerisch-tiroler Landesgrenze verläuft in unmittelbarer Nähe. Auf einem schmalen, anfangs stark eingewachsenen Pfad steigen wir über Weidegelände hinunter in die Einsattelung zwischen Karkopf und Hochries auf rund 1.420m Höhe. Ein Holzbankerl unterhalb eines großen Marterls lädt zum kurzen Verweilen ein.

Die dritte Station des „Gipfel-Trios“, die Hochries, wäre über einen schönen Kammpfad via Westgrat in rund 40 Minuten erreichbar. Da wir diesen Abschnitt bereits kennen und wir die von der Talstation Samerberg-Grainbach aus durch einen Sessellift und ab der Mittelstation Ebenwaldalm durch eine Kabinenbahn erschlossene Gipfelhütte lieber außerhalb der Hauptsaison besuchen, schlagen wir nun den Heimweg ein. An einem Weiderost orientieren wir uns talwärts. Nach wenigen Metern auf geteertem Untergrund teilt sich der Weg erneut. Nach links zweigt die Querung zur Pölcherschneid ab. Wir wählen für unsere Rundtour den rechts abzweigenden Forstweg zur Seitenalm. Nach einem kurzen Waldstück öffnet sich das Gelände und macht den Blick auf die drei an einer steilen Bergkante am Nordhang der Hochries auf rund 1.350m Höhe „aufgereihten“ Gebäude sowie die Ortschaft Grainbach im Tal frei. Linkerhand liegt tief unten die Spatenau samt Doagl-Alm, unserer heutigen Einkehrstation. Oberhalb der Seitenalm mündet – rund 25 Minuten nach dem Aufbruch am Karkopf-Gipfel - von rechts der von der Hochrieshütte herunter führende Steig ein. Der ab hier enger werdende Pfad windet sich zwischen den (nicht bewirtschafteten) Almhütten samt Almkreuz hindurch. Auf dem gut ausgebauten und aussichtsreichen Serpentinen-Steig marschieren wir die folgenden 15 Minuten bergab. Im unteren Drittel ignorieren wir einen Abzweiger nach rechts in Richtung Grainbach.

Kurz vor der Wimmeralm stoßen wir am schwach ausgeprägten Sattel auf rund 1.170m Höhe auf eine Wegkreuzung. Geradeaus ginge es via Wimmeralm ebenfalls hinab in die Spatenau, nach rechts zur Ebersberg-Alm bzw. in Richtung Moserboden. Wir biegen links ab und folgen nach einem Drehkreuz dem gestuften, in direkter Linie zur Doagl-Alm führenden Pfad (verbleibende Gehzeit rund 30 Minuten). Die Silhouette des Bergkamms immer zur Linken marschieren wir stetig bergab. Wir passieren zwei Hütten und erreichen die Hochebene der Spatenau-Alm. An deren Ende biegen wir am Wegweiser zur Bergwirtschaft links ab und marschieren in wenigen Minuten auf der schon bekannten Passage zur Einkehrstation. Diesmal biegen wir nach links in die „Doagl-Alm-Straße“ ein.

Die Doagl-Alm liegt auf rund 980m Höhe in einem Geländekessel. Die Geschichte der von der Familie Sattelberger geführten Bergwirtschaft reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im urig ausgebauten Kuhstall finden rund 80 Gäste Platz, auf der Terrasse bis zu 180 weitere Personen. Mit Blick auf einen großen Teil unserer heutigen Route kann man eine Auswahl an Brotzeiten und Suppen sowie typische Hütten-Gerichte wie Pressknödel, Reiberdatschi, Kaiserschmarrn und wechselnde Tagesempfehlungen genießen. Zum Kaffee gibt es selbstgemachte Kuchen, Torten und Strudel.

Die ganzjährig bewirtschaftete Hütte hat saisonal abweichende Öffnungszeiten. Von Anfang April bis Ende Oktober ist grundsätzlich Dienstag bis Sonntag geöffnet, Montag ist Ruhetag. Im Winterhalbjahr, wenn die Forststraße bei entsprechender Schneelage auch gern zum Rodeln genutzt wird, kann man am Wochenende und in den Ferien einkehren. Für die Kinder gibt es neben einer großen Wiese einen kleinen Spielplatz und ein Gehege mit Wildschafen. Die Räumlichkeiten der Doagl-Alm stehen auch für Feiern wie Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen oder Firmenevents zur Verfügung. Auf Anfrage sind Übernachtungen möglich. Ausführliche Informationen, auch zu besonderen Angeboten wie dem Brunch-Buffet für Frühaufsteher im Sommer, bietet die Hütten-Homepage www.doagl-alm.de.

Nach der Einkehr marschieren wir gemütlich auf der beschilderten, vom Aufstieg bereits bekannten Route zurück zum Spatenau-Wanderparkplatz. Dabei nutzen wir auch talwärts die Abkürzer jenseits der Plattenstraße. Nach rund 25 Minuten sind wir zurück am Ausgangspunkt. Insgesamt waren wir heute circa 4,5 Stunden (reine Gehzeit, davon 2 Stunden 45 Minuten im Aufstieg zum Karkopf und 1 Stunde 45 Minuten auf dem Abstiegsweg) unterwegs.

Auch das oft umgangene „Mittelstück“ im Bergzug zwischen Hochries und Feichteck ist einen Gipfel-Aufstieg wert !

Günter Etschel ALMVOLK

 

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