Almsommer-Tour (45): Brennkopf

impressionen aus walchsee / tirol

Das Ziel unserer heutigen Almsommer-Tour ist der 1.353m hohe Brennkopf, einer der südlichsten Gipfel des Geigelsteinblocks. Er ist vor allem bekannt für seine herrliche Aussicht auf das gegenüberliegende Kaisergebirge. Der Brennkopf, der auch gerne im Rahmen einer Drei-Gipfel-Runde über Wandberg (1.454m) und Lochner Horn (1.448m) „mitgenommen“ wird, ist auf mehreren Routen erreichbar. Wir wählen die „Schwemm“, ein geschütztes Hochmoor nahe des Walchsees, als Ausgangspunkt. Alternative Zustiege starten zum Beispiel in Walchsee-Winkl, in Rettenschöss-Feistenau oder im Ritzgraben bei Wildbichl.

 

Bei der Anfahrt in den Tiroler Kaiserwinkl folgt man im Inntal – entweder aus Richtung Kufstein oder Oberaudorf kommend - der Bundesstraße nach Kössen. Über Niederndorf, Sebi und Durchholzen führt uns diese bis nach Walchsee. Kurz nach der Ortseinfahrt zweigt nach links die beschilderte Zufahrt zur Schwemm ab, der wir bis zum weithin sichtbaren hölzernen Aussichtsturm im Ortsteil Schwaigs folgen. Parkmöglichkeiten findet man zwischen dem Schwemmturm und dem Golf- und Sporthotel Moarhof.

 

Wir starten auf rund 660m Seehöhe und marschieren zunächst ein kurzes Stück entlang der schmalen Straße retour in Richtung Walchsee. Linkerhand können wir hoch über uns bereits die Hitscheralm – unsere erste Zwischenstation – erkennen. Auf der linken Straßenseite leitet uns ein Wegweiser bergwärts. Die Hitscheralm ist mit 1 Stunde und der Brennkopf mit 1 Stunde 45 Minuten Gehzeit ausgeschildert. Vor einem Bauernhof halten wir uns halblinks und folgen dem mit Holzpflöcken markierten Wiesenpfad geradewegs hinauf, wobei wir zwei kleine Bachläufe überqueren. Der Schulterblick erfasst bereits den hinter dem Miesberg hervorlugenden Zahmen Kaiser. Am Waldrand biegen wir erneut halblinks ab und durchschreiten ein kurzes Waldstück, in dem uns ein Holzbrückerl über den Schwaigsbach führt. Über eine Bergweide nähern wir uns nach bisherigen 15 Minuten dem Kitzbichl-Bauernhof. Vor diesem stoßen wir auf einen Wirtschaftsweg, dem wir zunächst kurz nach rechts folgen, um am folgenden Wegweiser zur Hitscheralm gleich wieder links abzubiegen. Der sich anschließende schattige Waldsteig schlängelt sich den nun steiler werdenden Berghang bis ins freie Almgelände hinauf. Die bewirtschaftete Hitscheralm, die aussichtsreich auf einem Geländeabsatz thront, haben wir bereits fest im Blick. In weiten Kehren steigen wir gemütlich hinauf zur Hütte auf rund 1.100m. Dabei genießen wir die südseitige Aussicht auf den Walchsee und den Zahmen Kaiser in seiner vollen Größe sowie den sanft geschwungenen Bergzug zwischen Chiemkogel / Kilianberg und Staudinger Kreuz im Westen.

Rund 1 Stunde nach dem Start erreichen wir die Hitscheralm. Die Einkehrpause heben wir uns für den Rückweg auf. Auf dem breiten, geschotterten Almweg geht es rechts von der Jausenstation weiter bergwärts, wobei uns das herrliche Kaiser-Panorama – nun zunehmend auch mit dem wilden Part - erhalten bleibt. Auf der nördlichen Gegenseite rückt bald der Wandberg ins Blickfeld. Rund 45 Minuten später passieren wir auf der sonnenverwöhnten Route zunächst eine Privathütte (linkerhand) und dann die Knollalm (rechterhand). An der folgenden Weggabelung auf rund 1.250m Höhe halten wir uns links in Richtung Brennkopf, dessen Gipfelpartie schon in Sichtweite ist. Kurz darauf biegen wir an einem weiteren Wegweiser rechts ab (links ginge es hinüber zum Wandberg) und folgen einem steinigen Karrenweg bergauf. Zuletzt führt uns ein Wiesenpfad hoch zum Brennkopf-Gipfel.

Auf dem weitläufigen Aussichtsberg mit seiner grasigen Kuppe erwartet uns neben dem Gipfelkreuz auch ein lauschiges Brotzeitbankerl. Auf 1.353m Seehöhe genießen wir nach etwa 2 Stunden Gehzeit und rund 700 Höhenmetern den traumhaften Tiefblick auf den Walchsee, unseren Ausgangspunkt an der Schwemm und ins Inntal um Kufstein. Darüber bietet sich ein nahezu unverstelltes Rundum-Bergpanorama, das vom Wandberg im Norden über Hochköpfl, Wandspitz, Geigelstein, Breitenstein, Karkopf und Lochner Horn bis zum Ebersberg, (Walchseer) Heuberg, Wilden und Zahmen Kaiser (mit ihren zahlreichen Gipfelzacken), Pendling sowie dem Alpenhauptkamm im Süden reicht. Westlich davon schließt sich das Mangfallgebirge an, aus dem der heimische Wendelstein herausragt, gefolgt von Kranzhorn, Spitzstein, (Inntaler) Heuberg und Karspitze auf der anderen Inn-Seite. Die umliegenden Almen bzw. Almwirtschaften, unter anderem Wandberg- bzw. Burgeralm, die Lochner Almen, Ottenalm und Riederalm (unterhalb der Harauer Spitze), Obere und Untere Kohlenriedalm, Hupfnalm und Reischeralm (unterhalb des Brennköpfl) sowie Harlander Alm und Staudinger Alm runden den großartigen Gipfelblick ab.

Vom Brennkopf aus könnte man noch einige der umliegenden Gipfelziele in die Tour integrieren (vor allem Wandberg und / oder Lochner Horn, je nach Routenwahl auch Karspitze oder Brennköpfl). Das weit verzweigte Netz an Wander- und Wirtschaftswegen ist zumeist gut beschildert und markiert. Mit der Wandberghütte und der Burgerhütte liegen zudem zwei lohnende Bergwirtschaften in unmittelbarer Nähe, die man in weniger als 30 Minuten über einen Wiesenkamm mit moderatem Anstieg erreicht.

Da wir der Karspitze (im Winter von Wildbichl-Ritzgraben aus), dem Wandberg (im Winter von Rettenschöss-Feistenau aus) und dem Lochner Horn (im Frühling von Walchsee-Winkl aus) in diesem Jahr bereits Besuche abgestattet haben, steigen wir direkt zu unserer heutigen Einkehrstation ab. In etwas mehr als 30 Minuten wandern wir auf der vom Aufstieg bekannten Route zurück zur Hitscheralm.

Die Hitscheralm, direkt an einer stark abfallenden Bergkante gelegen, ist eine typische Tiroler Jausenstation. Die 2009 renovierte bzw. ausgebaute Hütte hat während der Weidesaison im Sommer geöffnet (Montag ist Ruhetag). Neben Käse-, Speck- und Aufstrichbroten gibt es Wurstsalat, verschiedene Suppen sowie teils auch wechselnde Tagesgerichte. Zum Kaffee wird hausgemachter Kuchen angeboten. Die Brotzeiten und Süßspeisen kann man sich in der kleinen Almstube oder bei bester Aussicht auf der südlich ausgerichteten Terrasse schmecken lassen. Eine öffentliche Zufahrt gibt es nicht. auch keine Übernachtungsmöglichkeiten.

Nach der Jause kehren wir nicht direkt auf der Aufstiegspassage zurück, sondern entscheiden uns für eine kleine Runde über die Aufingeralm (1.030m). Auf dem Schotterweg marschieren wir talwärts, immer der Beschilderung nach Walchsee folgend. Durch Weide- und Waldgelände führt der breite Almweg angenehm bergab. Rund 45 Minuten nach dem Aufbruch auf der Hitscheralm erreichen wir wieder den Kitzbichl-Bauernhof (diesmal von der anderen Seite). Wir schwenken nach rechts auf einen Teerweg ein und folgen diesem – an der westlichen Spitze des Golfplatzes vorbei – bis zum Stauding-Bauernhof. Dort angekommen biegen wir links ab und folgen der Straße wenige hundert Meter bis zum Parkplatz in Schwaigs. Der Abstieg von der Hitscheralm, zu der wir nochmals hinauf blicken, hat auf dieser Route etwa 1 Stunde 15 Minuten Gehzeit in Anspruch genommen. Nach insgesamt fast 4-stündiger Wanderung (ohne Berechnung von Gipfelrast und Einkehrpause) sind wir zurück am Ausgangspunkt.

Vor der Heimfahrt unternehmen wir noch einen kurzen Abstecher zur Schwemm, die man in rund 1,5 Stunden auch zu Fuß umrunden kann. Das direkt am Parkplatz liegende Naturschutzgebiet, das wir vom Brennkopf aus komplett überblicken konnten, ist das größte noch ungestörte Moorgebiet Nordtirols. Die von Wiesen umgebene Gesamtfläche beträgt rund 66 Hektar. Entstanden ist das Moor durch die Verlandung eines Sees, der sich beim Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher aufgestaut hatte. Seltene Pflanzen (zum Beispiel Seerosen, Wollgras, Sonnentau) und bedrohte Tiere (insbesondere zahlreiche Schmetterlings- und Libellenarten) haben hier ein Rückzugsgebiet gefunden. Informationsschilder im (kosten-) frei begehbaren Holzgebäude samt überdachtem Steg und 16 Meter hohem Aussichtsturm erläutern Entstehungsgeschichte und Besonderheiten der Urlandschaft am Fuß des Miesbergs. Von Juni bis Oktober finden sonntags zudem regelmäßig Führungen statt (weitere Informationen: www.alpen-moorallianz.eu).

Eine südseitig exponierte Wanderung mit großartigen Panoramaplätzen - sowohl auf Jausenhütte, Gipfelkuppe als auch Aussichtsturm !

Günter Etschel ALMVOLK

 

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