Almsommer-Tour (23): Hinterbärenbad

impressionen aus kufstein / tirol

Unsere heutige Almsommer-Tour führt uns von Kufstein via Kaiseraufstieg in den Talschluss des hinteren Kaisertals. Eingebettet zwischen den schroffen Felswänden des Wilden Kaisers und den bewaldeten Hängen des Zahmen Kaisers liegen dort in uriger Landschaft die geschichtsträchtigen Berghütten Anton-Karg-Haus (Hinterbärenbad) und Hans-Berger-Haus.

 

Bei der Anfahrt orientieren wir uns in Kufstein Richtung Ebbs und biegen rund 500m nach dem Ortsende von Kufstein rechts ab, der Beschilderung "Kaisertal“ folgend. Im Ortsteil Eichelwang, direkt an der Gemeindegrenze Ebbs – Kufstein, parken wir gebührenpflichtig (2,50 EUR - am besten passend, da der Automat über keine Rückgeld-Funktion verfügt) auf dem Wanderparkplatz gegenüber dem Elektrizitätswerk am Kaiserbach.

 

Wir starten an der Kaisertal-Panoramatafel auf rund 500m Seehöhe und folgen dem gut ausgebauten Steig in das Naturschutzgebiet. Das Anton-Karg-Haus bzw. Hinterbärenbad ist hier mit 2,5 Stunden Gehzeit ausgeschildert. Die “Sparchenstiege” mit ihren rund 280 Stufen und einigen Kehren führt uns im lichten Bergwald rasch bergauf. Der Kaiseraufstieg bietet immer wieder herrliche Blicke auf Kufstein samt Inn und Festung, den Kufsteiner Hausberg Pendling mit dem Pendlinghaus auf dem Gipfelplateau sowie die Burgkapelle Thierberg hoch über der Stadt. Wir passieren den Aussichtpunkt “Neapelbank” und den Abzweig zur Tischofer Höhle, die wir uns bei der letztjährigen Frühlingswanderung ins Kaisertal angesehen haben.

Nach etwa 30 Minuten Gehzeit erreichen wir offenes Gelände. Linkerhand mündet die Asphaltstraße ein, auf der nur die wenigen Anrainer, die Forstwirtschaft sowie Lieferanten und Notdienste durch den 2008 fertiggestellten Annatunnel in den markanten Taleinschnitt zwischen dem Zahmen Kaiser und dem Wilden Kaiser fahren dürfen. Auf dem breiten – jetzt flacher ansteigenden – Schotterweg wandern wir geradeaus weiter. Es geht an rechterhand abfallenden Almwiesen vorbei, auf denen Bergbauern gerade die erste Mahd des Jahres einbringen. Auf Höhe des Berggasthofs Veitenhof (rund 710m) können wir einen Blick zurück auf das Inntal werfen.

Rund 15 Minuten später passieren wir die Abzweigung nach links in Richtung Ritzau-Alm und Vorderkaiserfeldenhütte (beides Ziele unserer Hüttentouren im letzten Winter), die wir heute ignorieren. Geradeaus folgt auf rund 780m der Berggasthof Pfandlhof.

Kurz darauf teilt sich der breite Weg. Rechts führt der Fahrweg weiter zum Anton-Karg-Haus und Hans-Berger-Haus (auf dieser Route mit geringem Höhenunterschied kommen wir zurück). Links zweigt der abwechslungsreichere und rund 30 Minuten längere alte Kaisertalweg ab, für den wir uns hinwärts entscheiden. Er führt an der plätschernden Eliasquelle, der bekannten Antoniuskapelle und dem historischen Hinterkaiserhof vorbei.

Wir folgen an der Gabelung also der linken, moderat aufwärts gerichteten Abzweigung. Rund 1,5 Stunden nach dem Aufbruch erreichen wir auf 855m die malerisch in die Landschaft eingebettete Antoniuskapelle. Das sehenswerte Kirchlein wurde ursprünglich im Jahr 1711 zu Ehren des Heiligen Antonius, des Fürsprechers in Not und Gefahr, errichtet und seitdem mehrfach erweitert bzw. renoviert. Die Holzbänke vor der Kapelle bieten sich für eine besinnliche Rast an.

Wenige hundert Meter weiter liegt taleinwärts der aus dem 13. Jahrhundert stammende Hinterkaiserhof, der älteste ganzjährig bewirtschaftete Bauernhof im Kaisertal. Hier kann man – mit Ausnahme am Freitag – eine Jause aus selbsterzeugten Produkten (wie Buttermilch, Brot, Speck und Käse) bekommen.

Hinter dem Hinterkaiserhof zweigt nach links ein weiterer Weg in Richtung Ritzau-Alm / Vorderkaiserfeldenhütte sowie eine Alternativroute (via Hechleitalm) zum Hinterbärenbad ab. Wir bleiben auf dem Wanderpfad, der geradeaus über eine Almwiese zum Waldrand führt und sich dort verengt. Mal aufwärts, mal abwärts führt uns der Steig durch den Wald, einmal queren wir einen Forstweg. Mehrere Bachläufe werden auf Holzstegen überschritten.

Nach einer steil abfallenden Stelle oberhalb des in einer Schlucht versteckten Kaiserbachs führt der Steig zum geschotterten Fahrweg hinunter. Diesem folgen wir anschließend nach links. Es geht nun immer leicht oberhalb des rauschenden Kaiserbachs entlang, der in seinem breiten Bett talauswärts fließt. An zahlreichen Stellen lädt ein direkter Zugang zu einer kurzen Erfrischung im eiskalten Gebirgswasser ein.

Auf dem letzten Abschnitt vor dem Hinterbärenbad steigt der Weg im lichten Wald nochmals wenige Höhenmeter an, bevor wir unser Tagesziel nach insgesamt rund 9km Streckenlänge und fast 3 Stunden Gehzeit erreichen. Der erste Blick fällt auf die kleine Brücke, die Hörfarter-Kapelle und das dahinter liegende stattliche Anton-Karg-Haus.

Das 1895 errichtete Anton-Karg-Haus gehört dem Österreichischen Alpenverein (Sektion Kufstein). Der ehemalige Bürgermeister von Kufstein Anton Karg (1835 bis 1919) war Wegbereiter für die touristische Erschließung des Kaisertals sowie Gründer des Kufsteiner Turnvereins und der Kufsteiner Feuerwehr. Er war einer der ersten Bergfotografen und auch am Bau des später nach ihm benannten Berghauses beteiligt.

Das Anton-Karg-Haus liegt auf 829m Höhe auf einer von Bergwald umgebenen Lichtung unterhalb der mächtigen, rund 1.200m hoch aufragenden Felswände des Kaisergebirges mit Stripsenkopf (1.807m), Totenkirchl (2.190m), Kleiner Halt (2.116m) und Sonneck (2.260m). Der Überlieferung nach sollen früher Braunbären den an dieser unberührten Stelle vorbei fließenden Kaiserbach zur Nahrungssuche und Erfrischung aufgesucht haben. Von den damals noch im Alpenraum weit verbreiteten Tieren leitet sich auch die Bezeichnung Hinterbärenbad ab.

Unser Einkehrziel verfügt über einen sonnigen Biergarten, einen großen verglasten Verandabereich und urige Gaststuben. Hier kann man sich die hervorragenden Hüttenschmankerln wie Kartoffelrösti, Burger, Schnitzel, Spinatknödel und Kaiserschmarrn, die neben einer feinen Auswahl an Brotzeiten, Salaten und Suppen angeboten werden, gut schmecken lassen. Verwendet werden ausschließlich regionale Produkte, auch Kuchen und Brot sind hausgemacht. Für Kinder gibt es Spielmöglichkeiten auf der Wiese vor dem Biergarten und am Bach.

Das Anton-Karg-Haus ist regulär von Anfang Mai bis Anfang/Mitte Oktober ohne Ruhetag geöffnet. Es verfügt über insgesamt 30 Betten und 70 Übernachtungsplätze in Lagern. In einem extra eingerichteten Raum sind historische Bilder und Bücher zum Haus und Bergsteigen im Kaisergebirge ausgestellt. Auch das auf der anderen Bachseite liegende Bergführerhütterl kann von Gruppen angemietet werden. Alle Detailinformationen zum Anton-Karg-Haus kann man sich auf der Homepage www.hinterbaerenbad.at ansehen.

Vom Hans-Karg-Haus aus sind mehrere Übergänge möglich, zur Vorderkaiserfeldenhütte (1.388m), zum Stripsenjochhaus (1.580m) und über den Bettlersteig zur Kaindlhütte (1.318m) - alle innerhalb von 2 bis 2,5 Stunden erreichbar. Daneben gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Gipfelbesteigungen und Klettertouren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Wir nehmen uns heute vor dem Rückweg nur noch das etwa 15 Minuten Gehzeit entfernte Hans-Berger-Haus vor, das mit 936m etwas höher liegt und ein ebenso spektakuläres Bergpanorama bietet. Auf dem am Anton-Karg-Haus beginnenden Pfad, der mit Holzbrücken und Treppenstufen ausgebaut ist, steigen wir die rund 100 Höhenmeter im Wald hinauf.

Auch das Hans-Berger-Haus (früher als Kaisertalhütte bezeichnet) ist ein klassischer Stützpunkt für Bergsteiger im hinteren Kaisertal. Die ursprünglich 1932 erbaute und 2009 nach umfassender Renovierung wiedereröffnete Naturfreunde-Hütte liegt ebenfalls auf einer Lichtung, mit viel Weitblick zurück ins Kaisertal und auf den Zahmen Kaiser.

Seit über 40 Jahren wird das von Anfang Mai bis Mitte Oktober täglich geöffnete Hans-Berger-Haus von der Familie Huber bewirtschaftet. Die “erdige” Küche mit abwechslungsreicher Karte bietet neben Brotzeiten, Suppen und Salaten beispielsweise Mastochsenbraten, Rindsgulasch, Rinderhackbraten, Tafelspitz, Schweinebraten oder Leberkäse. Daneben gibt es natürlich die typischen tiroler Süßspeisen sowie hausgemachte Kuchen und Strudel. Zubereitet werden die Gerichte, die man in den urigen Gaststuben oder im Gastgarten vor dem Haus genießen kann, vor allem mit regionalen Produkten.

Gäste können in Doppel- und Mehrbett-Zimmern mit insgesamt 48 (Stock-) Betten sowie einem 9er-Bergsteigerlager nächtigen. Für Firmen, Vereine oder sonstige Gruppen, die die besondere Atmosphäre des Kaisertalschlusses für Veranstaltungen nutzen möchten, steht ein Seminarraum für 15 Personen bereit. Das Hans-Berger-Haus beherbergt auch die Bergsteigerschule Wilder Kaiser mit einem breiten Kursangebot für verschiedene Zielgruppen. Dies wird zudem durch ein vielfältiges Erlebnisprogramm (z.B. Koch-Wander-Workshops, Schreibseminare) ergänzt.

Alle wichtigen Informationen dazu gibt es im Internet unter www.bergsteigerschule.at.

Nachdem wir uns im Hans-Berger-Haus eine weitere Pause gegönnt haben, treten wir den Rückweg an. Hinunter ins Bärenbad nehmen wir zunächst den links vom Bach verlaufenden geschotterten Fahrweg (rund 10 Minuten). Dabei passieren wir in unmittelbarer Nähe zum Anton-Karg-Haus linkerhand einen großen, umwucherten Felsblock mit Kreuz. Hier sind zahlreiche Gedächtnistafeln angebracht, die an Bergsteiger erinnern, die ihr Leben in den nahen Felswänden verloren haben.

Auf dem Hauptweg marschieren wir nun immer talauswärts. Die Abzweigung auf den vom Hinweg bekannten Wanderweg über Hinterkaiserhof und Antoniuskapelle lassen wir nach 45 Minuten rechterhand liegen. Stattdessen geht es geradeaus durch zwei kleine Felsentunnel, zwischen denen wir hinunter auf den tief unter uns fließenden Kaiserbach blicken können. Eine alte Staumauer weist auf die früher auch im Kaisertal betriebene Holztrift hin.

Der Fahrweg Richtung Pfandlhof verläuft ohne größere Höhenunterschiede. In einigen Passagen fällt der Hang links vom breiten Weg steil in die Tiefe ab, so dass erhöhte Vorsicht geboten ist. Nach einem Waldstück erreichen wir wieder freie Almwiesen und stoßen nach insgesamt rund 1,5 Stunden Gehzeit von links auf die Weggabelung oberhalb des Pfandlhofs. Auf der Aufstiegsroute geht es nun via Pfandlhof (www.pfandlhof.at) und Veitenhof (www.veitenhof.at) – beides weitere Einkehrmöglichkeiten – Richtung Sparchenstiege.

Nach etwa 3-stündigem Rückweg (inklusive Abstecher zum Hans-Berger-Haus) sind wir zurück am Ausgangspunkt. Insgesamt waren wir heute fast 6 Stunden (reine Gehzeit) unterwegs.

Das Hinterbärenbad hat viel zu bieten: idyllisches Wanderziel, ruhiger Rückzugsort und malerisch gelegener Ausgangspunkt für anspruchsvolle Gipfeltouren !

 

Günter Etschel ALMVOLK

Hinweis: Die Benutzung der beschriebenen Wege erfolgt stets auf eigene Gefahr.